Das 1. Mal beim Zahnarzt

Kinder wollen direkt angesprochen und ernst genommen werden. Andererseits dürfen sie nicht wie kleine Erwachsene behandelt werden.

Kinder brauchen Zeit, um sich an eine fremde Umgebung und fremde Personen in ihrer Nähe zu gewöhnen. Kinder sind nicht geduldig, nicht leidensfähig. Sie empfinden stark die Gefühle der Bezugspersonen. Schon die kleinste Unsicherheit, Nervosität oder Ärger wird vom Kind wahrgenommen.

Der Zahnarzt, der Ihr Kind behandelt, soll eine natürliche Zuneigung zu Kindern haben. Er soll Kenntnisse über das kindliche Verhalten besitzen und mit diesen Voraussetzungen versuchen ein freundschaftlich partnerartiges Verhältnis zum Kind herzustellen. Es muss erstes Ziel sein Vertrauen und Kooperationsbereitschaft zu erhalten.

Der erste Besuch

Ich behaupte, dass in unserer Praxis der Erhalt der psychischen Gesundheit des Kindes vor dem perfekten Erhalt des Milchgebisses steht. Auf die Frage der Eltern wie sie ihr Kind auf den ersten Besuch in unserer Praxis vorbereiten sollen antworten wir mit:“ Möglichst wenig!“ das Kind soll unvoreingenommen den ersten Kontakt mit seiner Zahnärztin erleben können. Der erste Besuch dient dem reinen Kennenlernen. Wir erklären in kleinen Schritten wofür unsere Geräte gemacht sind, wie sie funktionieren. Das Kind kann sich mit dem Behandlungsstuhl vertraut machen, alles ausprobieren, sich frei bewegen.

Das Kind ist kein kleiner Erwachsener.

Geduld und Einfühlungsvermögen sind unbedingte Voraussetzung. Man muss sich seiner Sprache, seiner Belastbarkeit anpassen. Man soll, wenn irgend möglich, respektieren, wenn das Kind die Behandlung abbrechen will oder bei einer Sitzung nicht behandelbar ist. Auch ist die Konzentrationsspanne des Kleinkindes beschränkt. Eine Sitzung soll insgesamt nicht 20 – 30 Minuten überschreiten. Die aktive Behandlungszeit eines 4-jährigen Kindes liegt bei 5 Minuten!

Die Angst des Kindes widerspiegelt oft die Angst der Eltern.

Phantasievolle Erzählungen und unbedachte Äußerungen von Erwachsenen können diese Angst noch steigern. Kinder empfinden stark die Gefühle der Bezugspersonen. Man kann viel Vertrauen erwirken, wenn man dem Kind alle gestellten Fragen wahrheitsgetreu, in einer dem Alter entsprechenden Sprache beantwortet.

Die Rolle der Eltern im Behandlungsraum:

Wir befürworten die Anwesenheit der Eltern im Behandlungsraum. Damit erhält man dem Kind die Geborgenheit.

Die Eltern sollen mit einem wohlwollend ruhigen Verhalten im Hintergrund die Beziehung Arzt – Kind fördern. Ohne die Kompetenz und Wichtigkeit der Eltern in Frage zu stellen ist es wichtig zu verstehen, dass die Behandlung oder Kontrolle eine Angelegenheit zwischen dem Kind und seinem Arzt ist.

Eine sich immer einmischende, nervöse, ängstliche Mutter erweckt beim Kind den Eindruck, dass es sich um eine "Katastrophensituation" handelt. Dies reduziert die Behandlungsbereitschaft. Wenn Arzt und Eltern zugleich auf das Kind einreden wird es immer zuerst auf die Eltern hören. Es gelingt uns dann nicht mit dem Kind in Kontakt zu treten. So wie man nicht über eine schmerzhafte Behandlung im Vorfeld das Kind ängstigen darf, so ist es falsch dem Kind vorzuspiegeln es würde die Behandlung gar nicht spüren. Alle Fragen müssen wahrheitsgetreu in verständlicher Sprache beantwortet werden.

Es gibt ein paar Wörter, die sich auf die Bereitschaft des Kindes ganz schlecht auswirken .Einige Beispiele: Schmerz, Spritze, Bohrer, Zange, bohren, stechen, herausreißen,weh tun... Auch die voreilige Beteuerung, dass eine Behandlung gewiss nicht weh tut, fördert nicht die Behandlungsbereitschaft. Auch die Ankündigung von großen Geschenken im Vorfeld

Prophylaxe ist der beste Einstieg in die Zahnbehandlung. Deshalb ist es wichtig rechtzeitig mit dem Kind zu erscheinen. Der Arzt hat schlechte Karten, wenn er gezwungen ist ein Kind im Notfall zu behandeln. Dann bedarf es der aktiven und entschlossenen Unterstützung der Eltern









Das schwierige, nicht behandelbare Kind

Auch das psychologisch geschulte Team kann manchmal an der Verweigerung, aggressiven Trotzreaktion , übertriebenen Angst vor Verletzung oder der Nähe von fremden Menschen scheitern.

Manchmal führt ein freundschaftliches Verhalten des Arztes unterstützt von Helferinnen und den Eltern dennoch zum Ziel. Die Berufsethik verbietet es eine jetzt notwendige Behandlung auf spätere Zeiten zu verschieben, bis das Kind vernünftiger ist, weil sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Dann ist eine Behandlung in Vollnarkose unter Leitung einer erfahrenen Anästhesistin unumgänglich. Kinder können sich nach erfolgter Behandlung in Narkose zu sehr kooperativen Patienten entwickeln

Wie geht`s weiter?

Nach erfolgreicher Sanierung sollte das Kind in ein Recall-System aufgenommen werden. Je nach Alter und Kariesanfälligkeit gibt es individuelle Konzepte für die weitere Betreuung. Im ersten Jahr nach der Sanierung kommen die Kinder vierteljährlich zum Recall. Die Sitzung beinhaltet neben der zahnärztlichen Kontrolle eine Mundhygieneinstruktion, Motivation, professionelle Zahnreinigung mit Polierpasten, Applikation von Fluorid etc.